Zivilcourage

Diese Jugendlichen retteten einen Mann aus dem Rhein – nun könnten sie dafür ausgezeichnet werden

Die Retter von Murg: Marvin Knab, Felix Kaiser, Tobias Albiez, Bennet Hannemann, Leon Eckert, Rico Fischer, Jasmin Mosch (v. l.).

Sieben Jugendliche aus dem badischen Murg zogen 2018 einen 38-jährigen Mann aus dem Rhein. Für ihre Zivilcourage sind sie für den Hermann-Stratz-Preis nominiert.

Nicht wegschauen, wenn andere es tun. Für eine gute Sache eintreten, auch wenn die Mehrheit dagegen ist. Zivilcourage zeigt sich auf vielfältige Weise. Herausragende Beispiele werden auf badischer Rheinseite mit dem Hermann-Stratz-Preis geehrt.

Sieben Jugendliche aus der Region sind dieses Jahr nominiert und könnten heute Abend den Preis gewinnen, weil sie im Sommer 2018 einen Mann aus dem Rhein gerettet haben.

Im Nachhinein ergeben sich zwar sieben leicht unterschiedliche Schilderungen der Rettungsaktion. Jeder der Jugendlichen hat den Nachmittag auf seine eigene Weise erlebt. Doch im Kern bleibt die Heldengeschichte gleich.

Vor dem Pressetermin waren sie in Murg erneut an der Stelle, an der sie an jenem Freitag im Sommer 2018 einen Mann aus dem Rhein gerettet hatten. Dass der 38-jährige Schweizer tags darauf in einem Krankenhaus doch gestorben ist, haben sie aus der Zeitung erfahren.

Sie zogen den bewusstlosen Mann ans Ufer

Es war ein heisser Tag – 32 Grad, die Sonne strahlte, die Hitze war drückend. Die sieben Freunde Felix Kaiser, Marvin Knab, Tobias Albiez, Leon Eckert, Rico Fischer, Bennett Hannemann und Jasmin Mosch lagen in Murg am Rheinufer.

«Rico, Leon und ich standen zu dritt knietief im Wasser und Tobi war ein bisschen weiter im Rhein, da entdeckten wir einen Mann», erzählt Bennett Hannemann, damals 16 Jahre alt, aus Laufenburg. Auf einmal sei der Schwimmer da gewesen, sie hätten ihn nicht ins Wasser springen sehen. «Ich dachte mir erst noch: Das muss ein Profischwimmer sein, da er sich in der Mitte des Rheins befand», fügt Hannemann hinzu.

Der Schwimmer hatte sich auf der Schweizer Seite aufgemacht, den Rhein gegen die Strömung zu durchqueren. Auf der deutschen Seite fast am Ufer angekommen, verliessen ihn die Kräfte, und er drohte zu ertrinken.

«Ich habe gesehen, dass der Mann sehr erschöpft aussah und feste Luft raus pustete», sagt Tobias Albiez, damals 14 Jahre alt, aus Hänner. Er habe ihm zugerufen, ob er Hilfe benötige, doch es sei keine Antwort gekommen. Als der Kopf des Mannes ins Wasser sank, überlegte Albiez nicht lange und schwamm zu ihm.

«Als ich bei ihm war, umklammerte er mich und wir drohten unterzugehen», berichtet er. Der Jugendliche rief seine Freunde herbei. Leon Eckert, Rico Fischer und Bennett Hannemann erkannten den Ernst der Lage und kamen Tobias und dem Schwimmer zu Hilfe.

«Wir sind dann hin, und zum Glück wurde der Mann relativ schnell bewusstlos, dann konnten wir ihn zu viert einfacher an Land ziehen», erklärt Leon Eckert, damals 15, aus Hänner. Die Retter trieben mit dem Mann fünf bis sieben Meter rheinabwärts.

Am Ufer angelangt legten sie ihn kurz in die stabile Seitenlage. Als sie kaum Puls ertasten konnten, begannen sie abwechselnd mit der Herzdruckmassage. Marvin Knab, Felix Kaiser und Jasmin Mosch, die an Land geblieben waren, riefen den Notarzt.

Nach dem Eintreffen des Rettungswagens benötigten die Sanitäter und der Notarzt eineinhalb Stunden, um den 38-jährigen Schweizer zu stabilisieren. Anschliessend wurde er mit dem Helikopter in ein Spital geflogen.

Von den Wiederbelebungsmassnahmen der Rettungskräfte bekamen die Jugendlichen nichts mit, sie wurden in der Zwischenzeit von der Polizei zu dem Vorfall befragt.Trotz der mutigen Rettungsaktion der sieben Jugendlichen starb der Schweizer einen Tag später im Spital.

Die Jugendlichen reagierten blitzschnell und entschlossen und wussten sofort, was zu tun ist. «Wir hatten einen zweitägigen Erste-Hilfe-Kurs in der Schule», so Tobias Albiez und Leon Eckert. Bennett Hannemann hatte einen Erste-Hilfe-Kurs für den Führerschein absolviert.

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