Beinwil am See

Schurken, Eifersucht und rote Rosen: Eine Operetten wie ein Krimi

Welche Intrige wird hier gesponnen? Bürgermeister Nasoni (Andreas Wuffli) und seine Mitverschwörer.

In Beinwil am See feiert man am Samstag die Premiere der Operette «Gasparone». 136 Jahre ist sie alt - aber aktuell und anrührend.

Unglücklich Verliebte und Happy End gehören zur Operette wie das Amen zur Kirche. Was sich dazwischen abspielt und wo – da liegt der Hase im Pfeffer: Neben der Musik hat die Handlung einen wesentlichen Anteil am Reiz jeder Operette.

Im Löwensaal in Beinwil am See wird das Publikum in diesen Wintertagen nach Sizilien entführt und daselbst mitten hinein in einen Krimi: «Gasparone», den Titelhelden von Carl ­Mil­löckers Operette, gibt es in Tat und Wahrheit gar nicht. Als (erfundener) berüchtigter Räuber soll er einer Schmugglerbande, unter Mithilfe des Wirtes Benozzo, zur Ablenkung von ihrem eigenen Treiben dienen. Damit die Sache richtig zum Laufen kommt, wird der vorübergehend auf Sizilien weilende Conte Erminio zu einem scheinbar räuberischen Überfall auf die verwitwete Gräfin Carlotta überredet. Es kommt, wie es kommen muss: Ermino verliebt sich prompt in Carlotta, was dem Bürgermeister Nasoni ganz und gar ungelegen kommt, will der doch seinen Sohn Sindulfo mit der nicht nur schönen, sondern auch reichen Gräfin verheiraten.

Bezaubernde Musik und Humor

Was kurz zusammengefasst eher banal wirkt, ist in Tat und Wahrheit eine ganz schön verzwickte Geschichte, machen doch Verwechslungen, falsche Verdächtigungen, Verrat, Erpressung, Korruption den Hauptbeteiligten das Leben schwer. Dem Publikum allerdings macht Millöckers bezaubernde Musik das Zuhören leicht. Der den Dialogen eigene Humor schlägt sich in gar so mancher Melodie nieder, etwa in «Es gibt ja keine Männer mehr». Aber auch zarter Schmelz – «Dunkelrote Rosen, bring ich, schöne Frau, und was sie bedeuten, wissen sie genau...» – und südliches Temperament fehlen nicht.

In der 156-jährigen Geschichte der Theatergesellschaft Beinwil hatte «Gasparone» bisher erst einmal, 1994, auf dem Spielplan gestanden. «Diese Operette, obwohl vor 136 Jahren uraufgeführt, ist noch immer hochaktuell», so Vereinspräsident Markus Bitterli. Dies sei ein Grund für die Wahl gewesen, nebst der Tatsache, dass die Urfassung nicht mehr mit Tantiemen belastet sei, «welche ein Stück um mehr als zehn Prozent verteuern können».

Drei neue Solistinnen und männliches Urgestein

Wie bei den Operettenbühnen Möriken, Bremgarten und Rheinfelden gibt es auch in «Böju» alle zwei Jahre ein Wiedersehen und Wiederhören mit guten alten Bekannten. So fehlt das Urgestein Peter Eichenberger in einer kleinen Rolle auch in «Gasparone» nicht. Ein- oder mehrfach hatten bereits in früheren Produktionen ebenfalls Reto Hofstetter (Benozzo), Andreas Wuffli (Nasoni), Fabio de Giacomi (Erminio), Christian Jenny (Schmuggler) und der blutjunge Böjuer Gelsomino Romer (Sindulfo) mitgewirkt.

Der aus Luzern gebürtige Raschid Kayrooz hingegen führt erstmals am Hallwilersee Regie und mit den Solistinnen gibt es auf der Löwensaal-Bühne drei neue Gesichter und Stimmen zu entdecken: Die Luzernerin Sophia Seemann als Benozzos Frau Sora, die Aargauerin Monika Käch als Zenobia, die Freundin der Gräfin. Für diese Hauptrolle konnte die Zuger Sopranistin Andrea Hofstetter gewonnen werden, die im Oktober in Möriken als Glawari in «Die lustige Witwe» brilliert hatte. «Die Auswahl der Solistinnen und Solisten hängt in hohem Masse vom Stück ab. Neben den gesanglichen und schauspielerischen Fähigkeiten der Protagonisten müssen auch die Paare glaubwürdig erscheinen. Wir sind überzeugt, dass uns dies in ‹Gasparone› sehr gut gelungen ist», sagt Markus Bitterli.

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