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Musical «Wüstenblume» in St.Gallen: «Es gibt auf keinen Fall eine singende Klitoris auf der Bühne»

Musical Wüstenblume: Der Kampf gegen Genitalverstümmelung

Das Theater St. Gallen bringt schwere Kost auf die Bühne: Die Geschichte von Waris Dirie. Das somalische Nomadenmädchen wurde beschnitten und stand kurz vor einer Zwangsheirat. Ihr gelang aber die Flucht nach London, wo sie als Model entdeckt wurde und Karriere machte. Cast und Regisseur sind tiefst berührt von dieser Geschichte und wollen sie am 22. Februar als Musical uraufführen.

«Wüstenblume», die Lebensgeschichte von Supermodel und Aktivistin Waris Dirie, wird am Theater St.Gallen als Musical uraufgeführt. Autor und Regisseur Gil Mehmert

Sie ist ein Weltbestseller, ein Leinwandhit, und nun soll sie eine Theatersensation werden: «Wüstenblume», die Autobiografie von Waris Dirie, somalische Nomadentochter, Supermodel, Aktivistin mit eigener Foundation. Und jetzt auch mit eigenem Musical.

Seit gut einer Woche sei man am Proben, erzählt Autor und Regisseur Gil Mehmert. Am 22.Februar feiert «Wüstenblume» am Theater St.Gallen Uraufführung. Das kleine Ostschweizer Stadttheater hat sich in den vergangenen Jahren einen Namen gemacht im Musical-Bereich. Alle zwei Jahre bringt man hier ein Musical-Auftragswerk zur Uraufführung.

Mit «Wüstenblume» landete man – zumindest was die Aufmerksamkeit im Vorfeld angeht – den bislang grössten Coup. Und auch was das Kreativteam betrifft, rührt man diesmal mit richtig grosser Kelle an.

Christoph Bönecker (musikalische Leitung), Koen Schoots (Arrangement), der St.Galler Operndirektor Peter Heilker sowie Komponist Uwe Fahrenkrog-Petersen erzählen von der Arbeit an «Wüstenblume».

«99 Luftballons», jetzt ein Musical

Uwe Fahrenkrog-Petersen war Keyboarder und Komponist für Nena, er hat etliche Nummer-1-Hits geschrieben wie «99 Luftballons», später viel Filmmusik komponiert. Ein Musical wollte er schon lange schreiben.

Er sei lange auf der Suche nach dem perfekten Musicalstoff gewesen, erzählt Fahrenkrog-Petersen an der Medienkonferenz des Theaters St.Gallen vor Presse und Ensemble. Bei einer zufälligen Begegnung mit Diries Manager kam die Idee auf, und bei Fahrenkrog-Petersen habe es sofort «klick» gemacht: «Da ist alles drin! Eine Cinderella-Geschichte, die sogar wahr ist!»

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Andrew Lloyd Webber, der grosse Musicalkomponist, habe gerade angekündigt, eine Cinderella-Story mit feministischem Anstrich herauszubringen: «Da muss ich sagen, sorry Andrew, das haben wir schon.»

Muss das sein, als Musical?

Nicht der Film, sondern das Buch diente Autor Gil Mehmert als Vorlage. Seine Bühnenfassung ist ein Stationen-Drama, es umfasst 20 Jahre, spielt auf drei Kontinenten, spiele auch mit Rückblenden. Ihn habe am Buch gereizt, dass es für die Bühne unvorstellbar sei. Schon bei seinem Musical «Das Wunder von Bern», mit dem Mehmert 2014 sogar das deutsche Feuilleton begeisterte, hiess es vorab «oh nee, wie beknackt», erzählt er.

Bei «Wüstenblume» mit der brutalen Genitalverstümmelung gab es ähnliche Stimmen: Muss das sein, als Musical? «Eine singende Klitoris wird es auf keinen Fall geben», sagt Mehmert, man werde das geschmackvoll lösen, und sein Ensemble muss lachen. Die Darstellerinnen und Darsteller haben diese Vorbehalte wohl auch schon öfters gehört.

Ensemble, Kreativ- und Leitungsteam präsentieren in der Lokremise St.Gallen erste Ausschnitte des neuen Musicals «Wüstenblume» von Uwe Fahrenkrog-Petersen und Gil Mehmert.

«Wüstenblume» werde kein Showmusical, sagt Mehmert. Er sei sehr froh über seinen Cast, die Darsteller lägen gut auf den Rollen drauf. «Der Teppich wurde ausgerollt, jetzt müssen wir nur noch ein bisschen saugen», sagt er, und wieder bricht sein Ensemble in Gelächter aus.

Dann wird es ernst: Kerry Jean als Waris und Dionne Wudu als Freundin Marilyn singen das Duett «So wirst du zur Frau». Die Zeile klingt so verschieden, schmerzvoll, lustvoll, Welten liegen darin. Und man denkt, ja, «Wüstenblume» als Musical, das könnte funktionieren.

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