Rosengarten-Projekt

Zürcher alt Stadtpräsident Estermann warnt vor Rosengarten-Projekt

Rosengartenprojekt: Durchs Tunnelportal kurz vor dem Übergang der Rosengartenstrasse in die Hardbrücke fahren die Autos; das Tram verkehrt oberirdisch. zvg

Während der aktuelle Zürcher Stadtrat das Rosengarten-Projekt befürwortet, ist der ehemalige Stadtpräsident Josef Estermann (SP) anderer Meinung. Das Projekt sei Verkehrspolitik von vorgestern, weil es die Kapazität nicht verringere und somit dem Klima nicht helfe.

Viele Bürgerinnen und Bürger hätten den Eindruck, dass das Rosengarten-Projekt klimafreundlich sei, weil ein Tram zur Vorlage gehöre. Doch das stimme nicht. «Das CO2 wird durch den Rosengarten nicht gesenkt. Stattdessen wird der heutige Zustand zementiert», sagte er am Donnerstag vor den Medien.

Deshalb sei der Rosengarten auch kein Generationenprojekt, obwohl er immer so verkauft werde. Wichtig sei bei diesem Projekt vor allem die Verflüssigung des Verkehrs.

Dass die Obergrenze der täglichen Kapazität bei maximal 56'000 Fahrzeugen bleiben wird, glaubt Estermann nicht. Diese von Stadt und Kanton vereinbarte Zahl stehe in keiner rechtsgültigen Vereinbarung und werde nach Fertigstellung des Tunnels hinfällig.

Als Stimmbürger sei er zudem erstaunt darüber, dass er über einen Kredit abstimmen müsse, dessen Höhe nicht auf dem Stimmzettel stehe. «Als Stimmbürger will ich wissen, worüber ich abstimme.»

Seiner Ansicht nach sind die Kosten gigantisch - bei wenig Nutzen. Auch andere Strassen im Kanton würden schliesslich die Belastungswerte überschreiten. Das geplante Tram mache die Sache auch nicht besser, weil die Strecke viel zu kurz sei.

«Das wird keine Idylle»

Estermann ist Mitglied des Nein-Komitees, dem auch Köbi Gantenbein angehört, Verleger der Architekturzeitschrift «Hochparterre». Gantenbein wiederum glaubt nicht an die versprochene Beruhigung auf der Rosengartenstrasse. «Da werden Trams und Autos durchbrettern. Das wird keine Idylle.»

Positiv sei das Projekt einzig für die Hausbesitzer, die sich auf Planungsgewinne freuen dürfen. «Die Bodenpreise werden steigen, das Quartier wird umgepflügt.»

Während viele Liegenschaften an Wert gewinnen würden, müssten andere weichen: Sagt das Volk Ja, müssten 12 Häuser mit 80 günstigen Wohnungen dem Tunnelportal und dem Tramausbau weichen. «Der Rosengarten atmet so richtig die Problemlösung des letzten Jahrhunderts», sagte Gantenbein weiter.

Tempo 30 auf der Rosengartenstrasse

Ihn stört zudem, dass Volkswirtschaftsdirektorin Carmen Walker Späh (FDP) die Haltung vertritt, dass es keinen Plan B gibt. Das sei nicht nur fantasielos, sondern auch falsch.

Einen Plan B gebe es durchaus. Die Rosengartenstrasse müsse eine normale städtische Strasse werden, etwa wie die Thurgauer- oder Badenerstrasse, aber mit Tempo 30. Das Nein-Komitee hofft zudem, dass die Zahl der Autos längerfristig ohnehin sinkt. Bereits heute seien 50 Prozent der Stadtzürcher Haushalte autofrei.

Mit über 56'000 Fahrzeugen pro Tag ist die Rosengartenstrasse eine der am stärksten befahrenen Strassen der Schweiz in einem Wohngebiet. Der Kanton will einen Teil der Autos in einen Tunnel versenken, um das Quartier zu beruhigen. Auf der Rosengartenstrasse sollen zudem zwei Tramlinien gebaut werden. Kosten dürfte das Grossprojekt 1,1 Milliarden Franken. Die Stimmberechtigten entscheiden am 9. Februar.

Verwandtes Thema:

Artboard 1