Architektur

Musikgenuss unter Wasser: Ein junger Architekt träumt von einem Konzertsaal auf dem Bodensee

Futuristisch: Noel Rabuffetti mit dem Modell seiner Konzertinsel. Bild: Ralph Ribi

Noel Rabuffetti träumt von einem Konzertsaal auf dem Bodensee. Das Projekt des jungen Konstanzer Architekten ist mehr als blosse Utopie – es wurde nämlich bereits prämiert.

Den chinesischen Meisterpianisten Lang Lang oder den italienischen Poppianisten Ludovico Einaudi dereinst mit romantischen Flügelklängen mitten auf dem Bodensee erleben können? Oder ein hochkarätiges Weltklasseorchester? Davon träumt Noel Rabuffetti. «Abtauchen» in die Musik, das könnte in Zukunft einmal wörtlich gemeint sein, wenn der Musikliebhaber im schwimmenden Konzertsaal Platz nimmt, zwanzig Meter unter Wasser.

Nur ein Luftschloss ist die Idee des aus Leutkirch im Allgäu stammenden 26-jährigen Architekten nicht. Er nennt sein Projekt «Arqustica», zusammengesetzt aus den italienischen Wörtern architettura, aqua und acustica. Seine Idee ist schon weit fortgeschritten, und das Modell des sechseckigen Konzertsaals, der quasi wie ein Schiffsbauch unter einer 160 Meter langen Plattform hängt, hat auch Anerkennung bei 
Rabuffettis Professoren gefunden. Im Mai hat er an der Universität Karlsruhe mit dieser Idee seinen Master in Architektur gemacht. Sein Projekt wurde an der Hochschule als beste Abschlussarbeit prämiert.

Auch die Elbphilharmonie war erst einmal nur eine Vision

Diese Idee habe ein starkes Alleinstellungsmerkmal und sei schon sehr ausgereift, fanden die Juroren. Futuristisch und mit klarer Formensprache sei sie gestaltet. Auch beim deutschen Architektennetzwerk «Baunetz Campus» hat Rabuffetti bei einem Wettbewerb inzwischen einen ersten Preis geholt. Pate standen für den jungen Architekten die Berliner Philharmonie und die Hamburger Elbphilharmonie, die einst auch nur eine Vision war. Der Bodensee-Konzertsaal soll wie die Vorbilder über eine zentrale Bühne verfügen. Die Zuschauer sitzen in spiralförmig angelegten Rängen um die Bühne. 2500 Plätze sind geplant.

«Musik braucht Inszenierung», sagt Noel Rabuffetti, der selbst Klavier, Saxofon und Gitarre spielt, und vor dem Architekturstudium mit einem Musikstudium liebäugelte. Über dem eigentlichen Konzertsaal ist eine grosse Plattform geplant, mit Restaurant, Begegnungszonen und Räumen, die etwa für Kunstausstellungen oder Klanginstallationen genutzt werden könnten. Der Konzertsaal unter Wasser gibt der ganzen schwimmenden Konstruktion, die aus wasserdichtem Stahlbeton bestehen würde, den nötigen Auftrieb.

Auftrieb könnte eine solche Utopie auch der Idee vom Bodensee als gemeinsamem Dreiländerraum geben. «Ich stelle mir ein Haus für alle drei Länder vor, das den See als Verbindendes wieder mehr in den Mittelpunkt rückt. Denn der See gehört allen drei Ländern.» Rabuffetti stellt sich vor, dass von drei Häfen der drei Anrainerstaaten die Besucher in Wassertaxis zur Insel fahren, um sich dort zu einem gemeinsamen Erlebnis zu treffen.

Musik drei Kilometer vom Ufer entfernt

Befestigt ist die schwimmende Philharmonie an vier Bojen, an denen sie feste Kabel mit dem Festland verbinden und mit Energie versorgen können. Der Bau könnte mit einem Fotovoltaikdach Energie selbst zurückgeben. Der Konzertsaal läge etwa drei Kilometer vom Ufer entfernt, die Fahrt mit dem Wassertaxi schätzt der Planer auf ungefähr zehn Minuten. Ein Haus für die Region, diese Idee unterstreicht der Architekt auch mit der geplanten Innenverkleidung des Konzertsaals. Schindeln aus Weisstannen der drei Anrainerstaaten sollen für warme Atmosphäre und perfekte Akustik sorgen.

Noel Rabuffetti hat vor seinem Master in Karlsruhe an der Fachhochschule Konstanz seinen Bachelor in Architektur gemacht. Und die bereits seit Jahrzehnten geführten Diskussionen um ein neues Konzerthaus für die Stadt mitbekommen. Einen Ersatz für das für Konzerte völlig ungeeignete alte Konzilgebäude hat man noch nicht gefunden. Die Konstanzer Bürger haben die Idee, ein neues Konzerthaus auf dem Gelände von Klein Venedig direkt an der Schweizer Grenze zu errichten, bachab geschickt. Aktuell denkt man über einen Konzertsaal neben dem Bodenseeforum nach, das wäre am Konstanzer Seerhein, aber sehr dezentral und vor allem nicht am See gelegen.

Über die Finanzierung hat der Architekt noch nicht nachgedacht

Schaut man sich das schon sehr ausgereifte Modell des jungen Architekten an, ist man fasziniert. Es wirkt in seiner sechseckigen Grundform auf dem Wasserspiegel leicht, durchlässig und einladend. Im Moment bleibt die Idee eine Utopie. Noel Rabuffetti steht als Architekt erst in den Startlöchern.

Und für seine weltweit einmalige schwimmende Philharmonie bräuchte er sehr zahlungskräftige Investoren und begeisterte Kulturpolitiker rund um den See. Gespräche mit Politikern hat der junge Architekt noch nicht geführt. Über die Kosten für solch ein spezielles Projekt will er im Moment gar nicht nachdenken. «Die drei Länder am See sind bereit zusammenzurücken», ist Noel Rabuffetti überzeugt, «es fehlt nur noch ein symbolträchtiger Ort».

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