Armee

Risse an F/A-18-Jets – Luftwaffe sucht alte Teile

Die Luftwaffe liess im letzten Jahr alle F/A-18-Kampfjets auf Risse überprüfen.

Risse an der Kampfjet-Flotte häufen sich. Jetzt prüft die Armee den Kauf gebrauchter Landeklappen aus den USA.

Mitten in einer Wüste des US-Bundesstaates Arizona befindet sich der grösste Flugzeugfriedhof der Welt. Auf einer Fläche von zehn Quadratkilometern lagern die US-Streitkräfte rund 4000 stillgelegte Maschinen. Die trockene Luft und die seltenen Regenfälle verhindern Rost und Korrosion.

Mehrere hundert Angestellte bereiten die Flieger für einen erneuten Einsatz vor oder zerlegen sie, um sie als Ersatzteillager zu brauchen. An gebrauchten Ersatzteilen aus den Beständen der Amerikaner ist jetzt auch die Schweizer Armee interessiert.

Ermüdungsrisse an zwei Dritteln aller Scharniere

Die Rüstungsbehörde der Armee bestätigt entsprechende Recherchen der «Schweiz am Wochenende»: «Armasuisse klärt aktuell diese Möglichkeit ab», sagt ein Sprecher.

Die Luftwaffe kämpft seit Jahren mit Rissen an den Scharnieren der Landeklappen ihrer F/A-18-Kampfjets. Bei der letzten Kontrolle sind die Techniker bei rund zwei Dritteln aller Scharniere auf Ermüdungsrisse gestossen. Für den Schutz des Luftraums am World Economic Forum sind laut Armasuisse zwar genügend F/A-18 vorhanden. Doch eine unbekannte Anzahl der in den Neunzigerjahren beschafften Flieger muss wegen der Schäden am Boden bleiben.

Lassen sich die Risse nicht reparieren, muss die Luftwaffe die Scharniere oder die ganzen Landeklappen ersetzen. Der Eigenbestand deckt den Bedarf allerdings nicht ab. Aktuell klärt Armasuisse deshalb die Beschaffung gebrauchter Landeklappen aus den Beständen der US Navy ab. Anfang Oktober 2019 nahm die Marine mit eigener Luftwaffe die letzte F/A-18 Hornet nach über 30 Jahren ausser Betrieb.

Optimal ist die Anschaffung von Second-Hand-Ersatzteilen nicht, da diese bereits Gebrauchsspuren aufweisen, das lässt Armasuisse durchblicken: «Der Zustand gebrauchter Bauteile und deren Verwendbarkeit ist vor dem Kauf kritisch zu überprüfen.»

Eine kostspielige Alternative zu alten Ersatzteilen ist der Kauf von neuen Scharnieren und
Landeklappen. Kostspielig, weil der Hersteller Boeing dazu unter Umständen eine alte Produktionslinie wiedereröffnen muss – in diesen Fällen werden Zusatzkosten fällig. Armasuisse betont allerdings: «Um die Kosten möglichst gering zu halten, erfolgt die Beschaffung von Ersatzteilen wenn immer möglich mit anderen F/A-18-Betreiberländern.»

Bei der Feststellung neuer Schäden gebe es jeweils einen Informationsaustausch mit den Partnerstaaten. Oftmals seien deren Flugzeuge von denselben Schäden betroffen. Durch den gemeinsamen Einkauf von Ersatzteilen könne der Stückpreis reduziert werden.

Risse als Vorteil im Abstimmungskampf

Für die Befürworter des Kaufs neuer Kampfflugzeuge sind die sich häufenden Risse ein Vorteil im Vorfeld der wahrscheinlichen Abstimmung diesen Herbst: Sie können argumentieren, dass die F/A-18 nicht mehr dazu geeignet sind, den Schweizer Luftraum längerfristig zu schützen.

Nachdem das Parlament im Dezember dem Planungsbeschluss zum Kauf neuer Kampfjets zugestimmt hat, wollen die Gruppe für eine Schweiz ohne Armee sowie die Sozialdemokraten bis am 9. April die
nötigen 50000 Unterschriften für ein Referendum sammeln. Die Abstimmung dürfte laut dem Verteidigungsdepartement am 27. September stattfinden. Sagt das Stimmvolk Ja zum Sechs-Milliarden-Kauf, wählt der Bundesrat im ersten Quartal 2021 einen von vier Kampfjet–typen aus. 

Das Rennen ist weiterhin offen: Armasuisse hat erst vor einer Woche die zweite Offertenanfrage an die Herstellerländer übermittelt. Die Produzenten sollen Angebote für 36 bis 40 Flieger einreichen. Davor hatte die minimale Stückzahl noch 30 betragen.

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