Die Geschichte vom «Bärewäudli» tönt fast ein bisschen zu heldenhaft, als dass man sie einfach so glauben wollte. Aber was solls, schliesslich durchwuchern Sagen und Mythen das gesamte Mittelland. Und wenn sie nicht wahr sind, dann regen sie die Zuhörer mindestens zum Nachdenken – oder die Leserwanderer zum Lachen an.

Im Jahre 1754 also soll ein Förster bei einem Rundgang im Gebiet zwischen Oberdorf und Grenchen auf einen Bären gestossen sein. Statt die Flucht zu ergreifen, griff der Förster den Bären frontal an. Sie lieferten sich einen erbitterten Kampf und stürzten den steilen Hang hinunter. Der Bär war tot, der heldenhafte Förster landete weich und ging als Sieger aus dem Kampf hervor.

10'000 Kubikmeter Geröll donnerten ins Tal

Ein Absturz mit viel schlimmerem Ausmass erlebte die Gegend am 14. April 1970. Damals schwemmte das im Lochbachgraben nach einem Gewitter angestaute Wasser mehr als 10'000 Kubikmeter Geröll ins Tal und zerstörte unter anderem die Bahnverbindung zwischen Grenchen und Solothurn, wie Ernst Bühler, einer der Leiter der dritten Leserwandern-Etappe, den 89 Teilnehmenden erzählte.

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Die Königsetappe führte von der Talstation der Weissenstein-Gondeli entlang bizarrer Felsformationen und schöner Waldtraversen nach Grenchen. Doch so wunderbar die waldige Landschaft auf den ersten Blick erscheint: Gut gehts ihr nicht.

Dem wunderschönen Wald gehts gar nicht gut

Das jedenfalls erzählte Thomas Studer, der die Wälder der Gegend als Förster in- und auswendig kennt. Seit Jahren kämpfe man gegen den Borkenkäfer an. Dazu komme die grosse Trockenheit, die den Bäumen in bestimmten Zonen der Region zu schaffen mache. «Der Wald leidet unter akutem Trockenheitsstress. Es gibt hier praktisch keine grossen Tannen mehr, die noch mehr als die Hälfte ihrer Nadeln haben.» Wenn die Trockenheit nicht bald aufhöre, dann komme es schlimm, sagte Studer.

Die Leserwanderer aber überstanden die anstrengende erste Königsetappe der Jubiläumssaison gesund und munter. Selbst die steile «Hohle Gasse» auf dem Weg hinunter nach Grenchen passierte die Gruppe ohne Sturz oder gar Gessler’schen Beschuss.

Und glücklicherweise kreuzte auch kein einziger Bär die Pfade der Leserwanderer. Wer weiss, wie heldenhaft das geendet hätte.